Reizwörter
Sie kennen diese Methode vielleicht noch aus Ihrer Schulzeit. Der Lehrer schrieb drei Wörter an die Tafel, die im Aufsatz vorkommen mussten. Damit trainierte er bereits ihre kreative Seite und unbewusst erfanden Sie eine kleine Geschichte dazu.
Genauso funktioniert die Reizworttechnik: Es werden Wörter vorgegeben, die in der Geschichte vorkommen sollen.
Was brauchen Sie dazu?
- Stift und Papier
- ein Buch (das kann ein Roman sein, eine Zeitung, ein Lexikon, der Duden)
- Ruhe, Zeit und Spaß daran!
Geschätzte Dauer der Übung:
- Phase 1 etwa 10 Minuten
- Phase 2 etwa 15 Minuten
- Phase 3 etwa 30 Minuten
Ziel der Übung:
- Hemmungen vor dem "weißen Blatt" abbauen: Sie werden sehen, damit werden Sie die wenigsten Schwierigkeiten haben, immerhin steht ihre Wortvorgabe bereits darauf!
- Mit der kreativen Hälfte Ihres Autorens- Ich's experimentieren: Die scheinbar sinnlose Aneinanderreihung der Wörter wird Sie sehr schnell zu einer Geschichte führen, an die Sie vorher niemals gedacht hätten. Und das Ganze ohne Zwang und Druck.
- In den Schreibfluss kommen: Als Einstiegsübung zum Schreiben ist die Reizworttechnik sehr gut geeignet, man kann sie nicht nur überall durchführen, sondern Sie regt auch die Fantasie an.
- Den Keim einer Idee finden: Vielleicht entsteht durch diese Übung sogar die Idee für Ihre nächste Geschichte? Mit dieser Technik können Sie ihre Ideensammlung füllen! Versuchen Sie es!
Diese Übung soll vor allem eines: Spaß machen! Lassen Sie sich auf das Experiment ein? Dann lesen Sie den nächsten Abschnitt.
Phase 1: Wortvorgabe
In der ersten Phase möchte ich Sie mit dieser Technik vertraut machen. Wie im ersten Absatz bereits erwähnt, wird die Technik bereits in der Grundschule angewandt. Sie ist also für jeden geeignet, egal ob er bereits Erfahrung im Schreiben von Geschichten hat oder nicht. Aber auch wenn Sie bereits Profi sind, Sie werden sehen, diese Technik ist sehr lustig in ihrer Anwendung und vielleicht entsteht daraus sogar ein Keim für eine Geschichte.
Sie können nun meine Wortvorgabe verwenden oder Sie nehmen ein Buch zur Hand. Wenn Sie meine Reizwörter verwenden, dann können Sie diesen Absatz "überlesen".
Schlagen Sie das Buch irgendwo auf und tippen Sie mit dem Finger willkürlich auf die Seite. Welches Wort steht dort? Schreiben Sie das nächstgelegene Hauptwort bitte auf das Blatt Papier. Dann schließen Sie das Buch wieder und schlagen es wieder eine zufällige Seite auf. Tippen Sie wieder mit Finger ganz spontan auf eine Stelle im Text und schreiben Sie das Hauptwort auf, das Ihrem Finger am nächsten liegt. Machen Sie so weiter bis Sie zehn Wörter aufgeschrieben haben.
Reizwortvorgabe:
Dschungel - Schiff - Piraten - Frau - Affe - Tisch - Monster - Banane - Buch - Versteck
Nächster Schritt:
Sehen Sie sich die zehn vorgegebenen Wörter an. Fällt Ihnen dazu spontan eine Geschichte ein? Sie muss nicht ausgereift sein! Sorgen Sie sich nicht über die Qualität Ihres Textes oder Ihrer Idee, es ist eine Übung, die vor allem Spaß machen soll. Schreiben Sie nun einen kurzen Text, indem diese zehn Wörter vorkommen. Die Reihenfolge der Wörter ist ganz egal, Sie können mit dem Wort "Versteck" beginnen oder auch mit "Affe".
Phase 2: Wortvorgabe in Reihe
In der zweiten Phase werden wir den Schwierigkeitsgrad steigern. Wir sitzen ja nicht mehr in der Grundschule und können uns schon einiges mehr zumuten. Diese Übung funktioniert fast gleich wie in Phase 1. Der Unterschied zwischen Phase 1 und 2 besteht im nächsten Arbeitsgang.
Sie können meine Reizwörter verwenden oder suchen sich aus Ihrem Buch zehn zufällige Wortvorgaben heraus. Meine Wortvorgabe weicht von der ersten Übung ab, da Sie vielleicht alle Phase durchmachen möchten und es daher nicht sinnvoll wäre, wenn ich die gleichen Reizwörter wie in der ersten Übung verwenden würde. Sollten Sie Phase 1 ausgelassen haben, suchen Sie sich die Vorgabe aus.
Reizwortvorgabe:
Luft - Brusttasche - Degen - Geschäft - Koffer - Programm - Bauer - Maler - Sattel - Welt
Nächster Schritt:
Und nun verschaffen Sie sich wieder einen Überblick über die Wortvorgabe. Lassen Sie Ihre Gedanken schweifen. Wohin führt Sie Ihre kreative Seite? Kommt Ihnen so langsam eine Idee?
Versuchen Sie nun eine Geschichte zu schreiben, die diese Reizwörter beinhaltet. Dieses Mal aber wird es schwieriger: Achten Sie auf die Reihenfolge der Wörter! Nun schreiben Sie Ihre Geschichte, in denen diese Wörter in der richtigen Reihenfolge vorkommen.
Damit trainieren Sie nun auch Ihren Wortschatz, Ihre Logik und Ihren Einfallsreichtum! Und wieder ein Tipp von mir: Achten Sie nicht auf die Qualität des Textes, es reicht, wenn die Geschichte einen Sinn ergibt.
Phase 3: 10 Wörter- 10 Sätze
Nun wird es richtig schwer. Diese Übung können Sie auf zwei Arten machen. Sie können wieder meine Vorgabe verwenden oder Ihre eigenen Reizwörter einsetzen.
Reizwortvorgabe:
Biene - Beweis - Chlor - Chiemsee - Franziskaner - Hospital - Löffel - Ruf - Schnauzer - Schmutz
Nächster Schritt:
Möglichkeit 1: Sie schreiben eine Geschichte, in denen die zehn Reizwörter vorkommen und zwar in zehn Sätzen. Also eine 10-Satz-Geschichte. Die Reihenfolge der Wortvorgabe ist dabei völlig egal.
Möglichkeit 2: Sie schreiben die Geschichte mit den vorgegebenen Wörtern in zehn Sätzen und achten dabei auf die richtige Reihenfolge der Reizwortvorgabe.
Haben Sie die 3. Phase geschafft? Dann gratuliere ich Ihnen von Herzen, den damit haben Sie eine Meisterleistung vollbracht! Ich hoffe, Sie haben einen Keim für eine Idee zu einer Geschichte gefunden? Wenn nicht, dann hoffe ich doch, Sie hatten wenigstens Spaß an der Übung!
Reizworttechnik für Kluge
Diese Reizworttechnik ist anders, ganz anders! Dazu benötigen Sie:
- Papier und Stift
- kleine Karteikarten oder andere kleine Zettelchen
Die Vorarbeit:
Nun überlegen Sie sich ca. zehn Charaktere und schreiben je eine Figur auf ein Kärtchen. Z. B.: Literaturagent - Maler - Obstverkäuferin - Schüler - ...
Dann nehmen Sie sich wieder ca. zehn Karten und schreiben darauf Gegenstände (vermischen Sie die Karten nicht mit den Figurenkarten!): Blumenstrauss - Bleistift - Lasagne - ...
Der letzte Teil der Vorarbeit besteht darin, zehn Handlungen auf die Karteikarten zu schreiben: rutscht am Eis aus - findet eine alte Taschenuhr - wird Zeuge eines Unfalls - ...
So funktioniert's:
Nun mischen Sie jeden Stapel extra, also den Figurenstapel, die Karten mit den Gegenständen und den Stapel mit den Handlungen. Vor Ihnen liegen nun drei Stapel mit Karten. Nun ziehen Sie aus jedem dieser Stapel eine Karte. Das sind Ihre Reizwörter für die Geschichte, die Sie nun schreiben sollen. Viel Spaß!
Mein Ausgangspunkt sieht so aus: Ein Schüler mit einem Blumenstrauss in der Hand wird Zeuge eines Unfalls. Herrlich, oder? Schon fallen mir unzählige Fragen dazu ein: Was will er mit dem Blumenstrauss? Ist er für die Freundin, die Lehrerin, seine Mutter, oder...? Was ist bei dem Unfall passiert? Wird der Schüler helfen? Was macht der Schüler um diese Uhrzeit auf der Straße? Sollte er nicht in der Schule sein? Und so weiter...




